Perfekt. 444 Wörter über das Gut-Genug-Sein und den Mut zur Lücke.

Der Blog, nein das Blog. Oder doch?
Auwehzwick. Da geht’s ja schon los.

Zweifel
„Na, echt gut genug?“ Er raunt ununterbrochen, der hemmschuhtragende Fiesling namens „Selbstzweifel“.

(Egal. Schreib mal weiter. Kanns ja immer noch löschen oder im Entwürfeordner verrotten lassen.)
Dieses mein niegelnagelneues Blog dümpelt also vor sich hin, weil mir eine penetrante innere Stimme seit Wochen einflüstert,  es müsse  ja bitte gefälligst vom ersten Beitrag an „gut“ sein, was ich da von mir gebe.
Und überhaupt: „richtig Schreiben“  sei ja wohl was Anderes als ganz passabel lesbare 140-Zeichen-Tweets zu verfassen. „Kannst Du das überhaupt? Maler, bleib bei Deinem Pinsel!“
Oder so.

Da hockt er dann, der widerliche Fiesling des Selbstzweifels, geklammert an den Rand meiner rechten Ohrmuschel, und wispert mit seiner Faunenstimme (oder ist es doch eher die abgeklärte betuliche Schulmeisterstimme?)  mitten ins Kleinhirn (oder isses rein physiologisch doch im Großhirn angesiedelt? – Argh!? Seht ihr? Schon wieder!):
„Du kannst doch nix veröffentlichen, wenns nicht mal fehlerfrei ist. Gibt nur unangenehme Kritik und Häme. Du kannst Dich blamieren. Oder ausgelacht werden.  Oder langweilen. Oder alles miteinand.
Kannst Du das denn aushalten?
Schau lieber nach,  was nun richtig ist. Oder lass die Idee fallen, mach nen anderen Einstieg. Wenn Du schon meinst, schreiben zu müssen, dann gefälligst

PERFEKT.“

Bravo. Mein innerer Schlaumeier und Vermeider beherrscht seinen Job echt par excellence.
Er sorgt gern mal dafür, dass ich mich vieles erst gar nicht probieren trau, obwohl ich Lust dazu habe oder es sogar wichtig finde.
Die Angst vorm Scheitern schmeißt mir da die Stolpersteine grad wie aus der Automatikschleuder in den Weg.

So wird das wieder nichts mit diesem für mich neuen Bloggen, diesem „anderen Schreiben“..

Aber auch:
Mit neuen, unbewährten  Malideen
Mit andren, neuen Wegen bei der Arbeit.
Mit andrem, neuem Outfit.
Mit von mir ungewohnter Meinungsäußerung.
Mit einem anderen Umgang mit Gefühlen.
Mit Lebensveränderungen.
Mit anders angepacktem Leben.
Mit anderen Wegen, vielleicht zu gesunden.
Mit Glücklichsein (oder dem, was ich dafür halte.)

Immer die Angst, das Ergebnis könnte nicht genügen. Nicht vor mir selbst oder auch nicht vor anderen bestehen, wenn ich anders vorgehe als auf der gewohnten, sicheren Seite zu bleiben.

Und frag mich, ob das, was ich gerade anders als sonst tun will – malen, schreiben, kochen, mich frisieren oder sonstwas, wirklich auch schon  perfekt sein muss – oder obs nicht langt, wenns einfach gut genug ist.

Zum Glück geb ich mir dann oft die Chance, es trotzdem einfach auszuprobieren.
Dann siegt Mut über Erfahrung, Hoffnung über Angst.
Leider immer viel zu selten.
Und nicht immer ist das Ergebnis dann Futter für neuen Mut.

Zu diesem Beitrag: egal. Ich lass das jetzt so.
Und drück auf „Publizieren“.
444 Wörter.
Werd schon sehen, was ich davon hab.

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12 Gedanken zu “Perfekt. 444 Wörter über das Gut-Genug-Sein und den Mut zur Lücke.

  1. Schön, dass du dich zum Bloggen entschieden hast, Ingrid, denn du bist jemand, der gar nicht so selten mehr zu sagen hat, als ein Tweet oder ein Facebook-Posting zulassen. Manchmal braucht es auch einen etwas anderen Rahmen und hat dort länger Wirkung als ein Text in den schnelllebigen Netzwerken. Der ist ruckzuck futsch. Irgendwo in der Versenkung verschwunden.
    Du wirst auch merken, wie sich dein Bloggen von Post zu Post entwickelt. Inhaltlich und – ob man es vorhat oder nicht – auch sprachlich. Dir fällt nämlich mit der Zeit einfach mehr ins Auge oder du entdeckst aufgrund von Kommentaren oder Nachfragen, was du selbst anders und nach deinem Gefühl besser, klarer, schöner machen möchtest.

    Mir hat es gefallen, und ich freue mich auf weitere Einträge von dir, Ingrid! Also lass dich nicht bremsen! ^^

    Liebe Grüße sendet
    Michèle

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  2. Ja eeeendlich 🙂 Auf diesen Moment habe ich doch schon ne ganze Weile gewartet! Freut mich super, dass du das jetzt machst! Danke, dass du uns ins Leben, den Kopf und die Seele einer Kuenstlerin blicken laesst – das ist genau so wundervoll, wie Kunst 🙂

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    1. Lieben Dank, Sabine. Das ermutigt sehr. Und ja, ich kann mir gut vorstellen, dass gerade Du mir nachfühlen kannst, Du hast so Phasen auch über die Verzagtheitsschwelle hinweggehoben und sie ja auch letztlich immer gut überwunden.
      (hier Scheibeabschneidgeräusch einsetzen).
      Herzlich, Ingrid

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  3. Perfekt… Was ist schon perfekt gegenüber mit Begeisterung, Leidenschaft und Herzblut geschrieben? Gar nichts, leblos… Schreib so, wie du malst. Voller Begeisterung und Freude für das jeweilige tun (also so, wie grade eben)
    Ich tapp dir auf jeden Fall nach und freue mich auf den nächsten Beitrag.

    Flauschige Grüße

    Sandra und Shiva

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    1. Willkommen, liebe Shiva!:-) Und ich dank Dir für Deine lieben Worte.
      Hab ich Dir eigentlich schon mal gesagt, dass Deinen Ohren perfekt sind? 😉
      (und sonst bist Du eh das beste Ermutigungs-Beispiel dafür, dass man auch mit Schwierigkeiten und Unsicherheiten zurechkommen und vor allem liebgehabt werden kann. Meint auch meine Frau Hund.)
      Herzliche Grüße, Deine wandklex!

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      1. Vielen dank ihr zwei Süßen!
        Ich liebe meine Ohren auch. Aber bin ich wirklich so ein Vorbild? Eigentlich bin ich ein ziemlicher Schisser und ich kann ehrlich auch eine Nervensäge sein – mein Frauli.
        Aber ich freu mich, dass ihr euch auch in das Bloguniversum wagt. Ich bin schon gespannt auf eure neusten News.
        Flauschige Umpfötelung
        Shiva Wuschelmädchen

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  4. „I have learned one thing. As Woody says, ‘Showing up is 80 percent of life.’ Sometimes it’s easier to hide home in bed. I’ve done both.“ (Marshall Brickman über das, was er von Woody Allen gelernt hat)
    Wer dann auch noch gut ist, der hat 95 Prozent des Weges schon geschafft, die 100 Prozent, die Perfektion, die erreicht fast niemand in irgendwas, und es ist auch nicht nötig.
    Gedanken erst im Kopf herumzuführen, sie dann in einem Text an die Freiheit zu gewöhnen um sie danach mit dem „veröffentlichen“ Knopf von der Leine zu lassen ist ein wunderbarer Prozess, und wenn sie dann auch noch „gut genug“ sind, um in fremden Köpfen ein Echo zu erzeugen, dann ist viel erreicht. Wunderbar ist es, wenn das Echo als Kommentar zu dem zurückkehrt, der den Gedanken aussandte und dort davon kündet, dass der Gedanke jetzt auch in anderen Köpfen wohnt.

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    1. 🙂 Ich danke Dir, Peter.
      Um Perfektion gehts mir (hier und andernorts/andernlebens) vorrangig aber gar nicht, eher damit, dass es sich wenigstens gut anfühlen soll.
      Ich finds schon schwer genug, mich mit etwas auch nur gut und einverstanden – zuFRIEDEN – zu fühlen.
      Oder, wie ich heute auf Twitter dazu ergänzte:
      „Was zählt, ist oft nicht, wie die Dinge objektiv betrachtet liegen, sondern wie sie sich anfühlen.“

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