Billigfarben und-pinsel vs. Klexklusivklasse: warum billig nicht immer preiswert ist.

Neulich hat mich jemand gefragt, wo ich die größten Unterschiede bei Billigpinseln und Discounter-Aquarellfarben zu den von mir verwendeten (doch sehr hochpreisigen) Materialien sehe.
Ein Strauß frischer Pinsel...
Ein Strauß frischer Pinsel…
Gute Frage! Ich versuche mal, ein paar Gedanken dazu zu sammeln (man könnte echt Romane dazu schreiben!)
Nun, bei den Pinseln ist es so eine Sache, da merke ich es schon bei der ersten Verwendung: an der Präzision als auch am Verhalten beim Malen und bei der gleichmäßigen, langen Farbabgabe.
Das kann ein billiger Pinsel meist nicht.  Saubere, klare, scharfe  Pinselspitzen, die dauerhaft weder Haarausfall bekommen noch ausfransen und die ihre Form und Präzision lange behalten sind ein weiterer Pluspunkt von Markenpinseln. Es ist Glückssache, das auch bei Discounterware in zufriedenstellendem Maße vorzufinden, und selbst wenn das ab und zu glückt, ist die schon gar nicht kontinuierlich über Jahre verlässlich so – schon die nächste produzierte Charge kann beim Nachkaufen eines erfreulichen Billigpinsels dann eine große Enttäuschung werden, weil die Fertigung nicht gleichmäßig gut ist.
(umso fataler, wenn man sich dann vielleicht wegen der ersten guten Erfahrungen  dann einen ganzen Vorrat anschafft…)
Renommierte Traditionshäuser bieten über Jahre und Jahrzehnte hinweg kontinuierlich gleichbleibend gute Qualität – einer ist da genauso gut wie der nächste.
Bei Synthetikpinseln genau wie bei Echthaarpinseln ist schon die Auswahl und präzise Anordnung des Haars bzw. Materials schon ein Riesenunterschied für Farbaufnahme und -abgabe..
Dazu sind die Zwingen bei Billigpinseln oft extrem schlecht gearbeitet, so dass vielleicht der Haarteil sogar noch ganz fit ist, die Zwinge sich aber löst und der Pinsel wackelig wird oder gar bricht.
Die Griffe und deren Ergonomie sind auch ein Kriterium, das nicht irrelevant für ein ermüdungsfreies und müheloses Malen ist. Wer schon mal so einen Plastikprügel in der Hand hatte, wird den elegant geformten, haptisch traumhaften  Chinalack eines Series 7 für immer zu schätzen wissen. Und die Sinne malen nun mal mit!
Aus all den Gründen arbeite ich fast ausschließlich mit Winsor & Newton Series 7 oder da Vinci Artist Brushes.
Schaut Euch nur mal mal an; wie meine Lieblinge der W&N-Series 7 gemacht werden, ist das nicht einfach wunderbar?
(Video von Winsor&Newton)

Der höhere Anschaffungspreis wird durch eine um ein vielfaches längere Lebensdauer wettgemacht.

Das gilt auch für Aquarellfarben, wie ich finde:
Wenn ein Billignapf leer ist, ist im vergleichbaren Schmincke Künstlerfarben Horadam (meine Lieblinge) vergleichbarer Größe zum Beispiel noch mindestens die Hälfte drin… da die Pigmente konzentrierter sind, sind sie auch ungleich ergiebiger von der Farbabgabe her.

Hochwertige Aquarellfarben sind viel höher pigmentiert, sind deutlich besser lichtbeständig und dauerhaft farbtreu.

Schmincke Horadam Aquarell
Schmincke Horadam Aquarell

Billige Farben haben zum Beispiel deutlich (sogar fühlbar) dünneren Farbauftrag (an irgendwas muss ja gespart werden), sind weniger satt, und oft haben oft viel mehr Füllstoffe als überhaupt Pigmente drin sind, die sich im Lauf der Jahre dann üblicherweise auch noch farblich völlig verändern. Wenn auf so ein Bild nur wenige Stunden die Sonne scheint, sind die Farben oft schon derart verändert dass man es auf Vorher-Nachher-Fotos deutlich sieht. (irgendwo hab ich dazu mal ein Video gesehen, leider finde ich es nicht merh: wenn das zufällig jemand kennt, wäre ich um einen Hinweis dankbar!)

So aufwändig werden meine bevorzugten Aquarellfarben hergestellt:


(Video von Schmincke Künstlerfarben

Generell zeigt meine Erfahrung: billig gekauft ist doppelt gekauft.
Und künstlerische Arbeit – egal ob als Hobby oder wie bei mir als Beruf – macht mit ordentlichem Material gleich noch viel mehr Freude. Genau deswegen würde ich gerade Anfängern nur gutes Material anraten, damit der Spaß an der Sache nicht schon durch Frust wegen schlechten Werkzeugs vergeht.
Wenn Ihr mögt, könnt Ihr mir solche und alle möglichen und unmöglichen Fragen zu meiner Arbeit übrigens gerne auch als Kommentar hier oder auch oder bei Facebook als Besucherbeitrag an die Chronik posten. .
Ich schildere darauf wirklich von Herzen gerne Sicht der Dinge, weil mir an den Themen sehr liegt und daran, dass jeder den Spaß an kreativer Arbeit erleben kann, und dann haben andere Interessierte auch gleich noch was davon.
Dazu habt Ihr dann ggf. noch dazu die schöne Möglichkeit, außer von mir auch noch von anderen Nutzern ebenfalls Antworten und Anregungen, vielleicht auch noch weitere neue Gedanken dazu zu erhalten, dann habt Ihr gleich noch mehr davon.Ganz im Sinne von dem großen Bob Ross wünsche ich Euch nun allzeit
„happy painting“!
Eure wandklex Ingrid
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4 Gedanken zu “Billigfarben und-pinsel vs. Klexklusivklasse: warum billig nicht immer preiswert ist.

  1. Danke für den Beitrag. Ich bin immer wieder auf der Suche nach neuem Material. Und lese ab und an: Billig geht auch. Und dann probiere ich es und es funktioniert nicht. Ich habe schon so viel Billiges fortgeworfen, dafür hätte man ständig teuer kaufen können. Nicht dass ich perfekt zeichnen und malen könnte, aber Papier und Farben müssen die nötige Qualität haben. Sonst geht nichts.

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    1. Hallo liebe Sandra, Dankeschön für Deinen Kommentar, schön, dass Du mit meinem Beitrag etwas anfangen kannst!
      Es freut mich zwar natürlich nicht, dass Du so viel unliebsame Erfahrungen machen musstest (Du bist nicht allein… *seufz*)
      Es ist aber klasse, dass Du dadurch die Lust am Ausprobieren und Weitermachen nicht verloren hast. Ich fürchte, das ein oder ander habe ich mir dadurch verbaut, in dem ich dann sagte „liegt mir nicht“.
      Hast Du jetzt zwischenzeitlich schon Dein Lieblingsmaterial gefunden, und womit arbeitest Du aktuell am liebsten?
      Was auch immer es ist, ich wünsch Dir viel Freude beim Schaffen.
      Ach ja: Und perfekt gibt’s übrigens eh nicht und muss auch nicht sein – wie ich hier mal in anderem Zusammenhang rumsinniert hab. 🙂
      Herzliche Grüße, Deine wandklex Ingrid

      Gefällt 1 Person

      1. Am liebsten sind mir die Moleskine-Bücher. Sketchbooks und Aquarell. Aber sie sind einfach sehr teuer. Ich probiere dann immer andere, liebäugel schon damit, mir welche selber zu binden. Farben habe ich Newton & Windsor, 45 halbe Näpfe. Denen bin ich treu. Unterwegs habe ich Van Gogh-Farben dabei, die sind auch ok. Ich habe hier noch einen Lukas-Kasten mit 12 ganzen Näpfen, ich finde ihn super schön, aber ich benutze ihn nie. Wenn ich mein Zeichenverhalten anschau, käme ich damit klar, da ich meist eh zusammenmixe. Aber die Menge der Farben im anderen verlockt. Irgendwie.

        ich skizziere und koloriere mehrheitlich. Malen tu ich nicht. Insofern sind das halt meine Medien. Ich habe auch Blöcke, natürlich, aber die nutze ich selten. Ab und an denke ich, es ist schade, da so alles in Büchern gefangen ist, aber: Aufhängen kann ich eh wenig. So ist es gut versorgt. Und ich mag die Philosophie der Sketchbooks. Ich bin eh ein Bücherfreund.

        Liebe Grüsse
        Sandra

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